Als Konservativer hat man es in der Bundesrepublik wahrlich nicht
leicht. Die Sozialdemokratie hat gewonnen. Sie okkupierte sogar die
einstige konservative Partei CDU. In einem mehrteiligen Essay soll der Konflikt des konservativen Bürgers skizziert werden.
Die Parteienlandschaft
Die Christlich Demokratische Union hat unter ihrer
Parteivorsitzenden und amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel
sämtliches Profil eingebüßt. Ausweitung der Rentenansprüche, ein
Zickzackkurs in der Energiepolitik, die Aussetzung der Wehrpflicht,
Bildungspolitik als Versuchsfeld der Sozialpolitik, Aufgabe des
traditionellen Familienbildes und die Liste kann gewiss weitergeführt
werden. Einzig die solide Haushaltspolitik unter Wolfgang Schäuble
scheint als „schwarzer Kern“ unter dem Motto der „schwarzen
Null“ erhalten geblieben zu sein. Eisern verteidigt dieser seinen
Erfolg, obgleich viele Ressorts anlässlich der augenscheinlich
üppigen Finanzlage nahezu täglich ihren Wunschzettel erweitern.
Auch noch Teile der Europapolitik konnten bewahrt werden, obgleich
die CDU hier nicht einem politisch-ideologischem Dogma folgt, sondern
eher einem gewissen Funktionalismus zu gehorchen scheint. Das soll
heißen, Europa wird gelebt und verteidigt, weil es im Prinzip keine
andere Möglichkeit gibt.